B.3 Zusammenfassende Charakterisierung der Gestaltungen

Die vier Höfe hatten verschiedene Motive, um in der Landschaft aktiv zu werden und so unterschiedlich sind natürlich auch die Auswirkungen, die die Maßnahmen auf das Erscheinungsbild der Landschaft haben. Es ist natürlich von vorne herein ein Unterschied, ob die ästhetische Qualität ein Anliegen bei der Gestaltung ist, oder ob es um etwas anderes geht, z.B. Erosionsschutz und Biotopverbund.

In dieser zusammenfassenden Beschreibung geht es mir darum, noch mal die, z.T. aus den verschiedenen Intentionen der Gestaltenden, entstandenen qualitativen Unterschiede in den Hoflandschaften - aus landschaftsästhetischer Sicht - darzustellen und an Hand dessen aufzuzeigen, dass eine Verknüpfung anderer gestalterischer Ziele mit landschaftsästhetischen Gesichtspunkten sinnvoll und machbar ist.

Umgang mit der landschaftlichen Eigenart

Der Umgang mit der landschaftlichen Eigenart wurde auf den Höfen sehr unterschiedlich gehandhabt.

Auf Hof Luna wurden einige Bereiche mutig und intensiv neu gestaltet und neue Akzente in der Landschaft gesetzt. Die Gestaltungsprinzipien wurden dabei nicht direkt aus der umgebenden Landschaft abgeleitet, dennoch geschah die neue Gestaltung mit engem Bezug auf die Landschaft und mit Gespür für landschaftliche Gegebenheiten.

Das Element der Hecke, das in der Landschaft um Hof Luna bisher nicht so häufig und meist kleinflächiger auftrat, spielt eine große Rolle bei der Gestaltung. Es soll sehr vielfältige Funktionen erfüllen, vom Erosionsschutz über den Immissionsschutz, bis hin zur Nahrungsbereicherung für die Nutztiere usw. Durch diese Funktionen wurde zu einem großen Teil die Platzierung des Elements in der Landschaft bestimmt. Dort wo die Platzierung nicht direkt durch die Funktion bestimmt war, z.B. bei den Hecken auf den Weiden südlich der Strasse (1.2), ist es gelungen, die neue Gestaltung besonders harmonisch in die Landschaft des Talzugs einzufügen. Die versetzt arrangierten, nicht zu langen Hecken, die meist entlang der Schlaggrenzen gepflanzt wurden, aber eben nicht zu schematisch, setzen belebende und bereichernde Akzente in die Fläche.

An anderer Stelle fügt sich die neue Gestaltung aufgrund ihrer rein funktionalen Platzierung nicht ganz so harmonisch in die Umgebung, z.B. die lange, über die gesamte Hangseite quer zum Tal verlaufende Hecke nördlich der Straße (1.1), die auf dieser Seite den zusammenhängenden Talzug trennt.

Der "Kultplatz", der den Menschen einen Platz in der Landschaft gibt und die intensive Beziehung der Betriebsleitung zur Landschaft repräsentiert, ist ein interessanter, aber auch recht dominanter, das Erscheinungsbild prägender Bezugspunkt in der Landschaft geworden.

Durch die Maßnahmen hat sich das Erscheinungsbild der Flächen von Hof Luna deutlich verändert. Verändert natürlich gegenüber dem früheren Zustand aber auch gegenüber den angrenzenden Flächen, so dass sie z.T. im Talraum deutlich hervortreten und eine besondere Hofindividualität schaffen, obwohl die Flächen nicht zusammen liegen.

Markus Sperlich ist bei der Gestaltung von Gut Schmerwitz in besonderem Maß auf die vorhandene landschaftliche Eigenart eingegangen und hat diese durch die Gestaltung unterstützt und neu belebt, wo sie vorher durch großflächige Einheitsbewirtschaftung übergangen wurde oder verloren ging. Er meinte man könne die passende Gestaltung "der Landschaft ablauschen" aber "nur der an der man gerade ist" (RÖHRIG,P. 2000). Er setzte auch neue Akzente, aber immer in direktem Bezug zur vorhandenen Eigenart und macht sie damit wieder verstärkt sichtbar und erlebbar. In den ebenen Bereichen der Gutsflächen hat er die Landschaft vor allem durch Heckenpflanzungen gegliedert und bereichert, ohne ihre Weitläufigkeit und Offenheit zu zerstückeln. Die Pflanzungen reagieren dabei z.T. sensibel auf geringe Reliefveränderungen. Dort wo die ausgeräumte Landschaft dem Auge keinen Anhaltspunkt bot, hat er durch die Pflanzung von kleinen Baumgruppen und Einzelbäumen spannungsvolle Blickpunkte geschaffen. Es ist und bleibt natürlich die großflächige Produktionslandschaft eines großen Betriebes, deren verblasste Eigenart jedoch durch die Gestaltung herausgearbeitet, betont und qualitativ entwickelt wurde.

Hof Marienhöhe liegt auf einer Rodungsinsel inmitten von Kiefernwäldern. Die markanteste landschaftliche Eigenart, sind hier die sandigen, heterogenen, kleinflächig mit Lehmkuppen abwechselnden Böden. Die Schlaggrößen reagieren z.T. auf die Reliefbewegungen, in den ebenen Bereichen befinden sich die größeren Schläge, die stärker bewegten Bereiche sind kleiner unterteilt. Die Hecken wurden hier angelegt, um auf Grund der schwierigen Bodenverhältnisse überhaupt erst eine geregelte Landwirtschaft zu ermöglichen (vgl.13b S.40). Diese kleingliedrige Gestaltung, deren besonderes Merkmal die Bildung vieler abgeschlossener Teilräume ist, hat durch rein funktionale Anordnung eine neue, raumatmosphärisch interessante Eigenart der Hoflandschaft geschaffen.

Auf den Flächen von Gut Peetzig wurden zu verschiedenen landschaftsökologischen Themen (Winderosion, Zoologie usw.), Grundlagen ermittelt und Analysen durchgeführt, die landschaftsbildprägende Eigenart der Landschaft wurde dabei kaum berücksichtigt. Bei den Gestaltungsmaßnahmen ging es um eine Neugliederung und Strukturierung der Agrarlandschaft und vor allem um Erosionsschutz und damit verbunden um Gewässerschutz, sowie um den Aufbau eines Biotopverbundes. In die bewegte, von zahlreichen Kuppen und Senken geprägte, vom Relief her besonders reizvollen Landschaft, wurde das Element der Hecke rein nach den oben genannten Funktionen, die es erfüllen sollte, eingebracht. Gerade auch im Bereich, in dem Hecken gepflanzt wurden, ist die Landschaft besonders kleinflächig bewegt. Die Hecke als lineares, Gestaltungselement, das sich in der Landschaft in einer Richtung lange fortsetzt, ist in einem solchen Bereich nicht geeignet, um die landschaftliche Eigenart zu unterstützen sondern verfremdet das Erscheinungsbild. Die Hecken und Schlaggrenzen folgen dabei z.T. wie mit dem Lineal gezogenen Linien und reagieren nicht auf das Gelände.

Betrachtet man die Ergebnisse der Landschaftsgestaltung auf den Höfen im Hinblick auf das Erscheinungsbild, so wird deutlich, dass die Berücksichtigung der landschaftlichen Eigenart wie anfangs schon erwähnt ein wichtiges Kriterium bei der Gestaltung sein sollte. Eine Voraussetzung für den Umgang mit landschaftlicher Eigenart ist, wie schon beschrieben, deren Wahrnehmung und die Erfassung der Faktoren, die die Eigenart ausmachen. Hierbei kommt es auf die persönliche Sensibilität des Gestaltenden an.

Bei Gestaltungen, die neue Elemente und Prinzipien in die Landschaft einbringen und landschaftliche Eigenart dadurch neu definieren, sollte dieser Vorgang möglichst bewusst durchgeführt werden. Geeignet erscheint eine Neuschaffung landschaftlicher Eigenart besonders dort, wo sie vorher kaum ausgeprägt und erlebbar war oder z.B. durch Bewirtschaftung verloren ging.

Umgang mit den vorhandenen Landschaftselementen

Die Anknüpfung an, Fortführung oder Einbindung von vorhandenen Gestaltungselementen ist auf allen Höfen ein Thema gewesen und hängt z.T. eng mit dem vorher beschriebenen Punkt der landschaftlichen Eigenart zusammen.

Auf Hof Luna ist diese Verbindung von alt und neu auf dem Hang südlich der Straße (1.2), wo die vorhandene Obstbaumgruppe und die Pappelgruppe durch das Vorbeiführen, bzw. Heranführen der Hecken eingebunden wurden, besonders reizvoll realisiert worden.

Die Gestaltung von Gut Schmerwitz reagiert in vielfältiger Weise auf die vorhandenen Elemente. Hier werden Blickbeziehungen hergestellt, Elemente und Gestaltungsprinzipien aufgegriffen und weitergeführt, ältere Elemente durch neue ergänzt und eingebunden. Hecken und Baumreihen wurden häufig wegbegleitend gepflanzt, hierzu waren viele Vorbilder in der Landschaft vorhandenen. Auch das Element des Feldgehölzes gab es in den Flächen auf und um Gut Schmerwitz. Die große Streuobstwiese südlich der Schäferei findet ihr Pendant in der alten Streuobstwiese nördlich der Schäferei. Ergänzt wurden diese Elemente durch Einzelbaumpflanzungen und kleine Baumgruppen. Als Vorbild dienten hier nicht vorhandene Elemente in der Landschaft sondern Gestaltungsideen der Landschaftsparks.

Auf Hof Marienhöhe ist die alte Robinienallee ein vorhandenes Element, das in die Gestaltung integriert wurde. In Kombination mit der kleinteiligen Strukturierung durch die Hecken ist hier eine eigenwillige, ganz besondere Raumatmosphäre entstanden. Auf Gut Peetzig wurden die vorhandenen, wegbegleitenden Baumpflanzungen aufgegriffen und fortgeführt. Die alten Bestände einer Streuobstwiese wurden ergänzt und eine neue angelegt. Die neue Gestaltung ging hier in der Artenauswahl und Anordnung auf die in der Landschaft vorhandenen Gehölzelemente ein. An einigen Stellen wurden diese Elemente durch die Ergänzungspflanzungen jedoch etwas überbetont.

Die Bestandsaufnahme vorhandener Elemente ist eine Voraussetzung für eine neue Planung, die sich mit diesen Elementen auseinandersetzen muss. Nachdem man weiß, was vorhanden und möglichst auch, wie es entstanden ist, ist der nächste Schritt die Frage, wie man damit umgeht. Ob man es aufgreifen, einbinden und fortführen oder es langsam auslaufen lassen und etwas neues schaffen möchte, z.B. bei unpassenden Nadelbaumbeständen.

Anwendung von Gestaltungsregeln, -prinzipien

Auf Hof Luna gaben, wie mehrfach schon erwähnt, in vielen Fällen die Funktionen der Elemente, die Art der Einbringung in der Landschaft vor. Dort, wo dies allerdings nicht der ausschlaggebende Faktor war, gelang es, durch ein intuitives Gespür für die Landschaft, für Proportionen und Harmonie, ohne den bewussten Einsatz bestimmter Gestaltungsprinzipien, meist ein stimmiges neues Bild zu schaffen. Bei der Obstbaumallee wurde jedoch eine gestalterische Chance verschenkt. Sie leitet aus dem Ort hinaus, über die Felder, gibt eine Richtung vor und baut eine Spannung auf, welche dann leider jäh enttäuscht wird, wenn Weg und Allee ins Leere laufen und auf dem Acker des Nachbarn enden.

Bei der Gestaltung der Flächen von Gut Schmerwitz hingegen bediente sich Herr Sperlich ganz bewusst Gestaltungsregeln und -prinzipien, die aus den Landschaftsparks stammen. In einem Artikel in der Demeter-Zeitschrift "Lebendige Erde" schreibt er: " Für unsere Betrachtensweise käme es also darauf an, in freier und bescheidener Anlehnung an historische Vorbilder unsere Feldflur zu gestalten, unter Einbeziehung aller Gebäude und mit dem Blick auf das Nützliche ein Kunstwerk zu erschaffen. ... Wir können lernen von dem Werk Pücklers und Lennés"(SPERLICH,M. 2001, S.43). "Das was wir mit unseren Bauernhöfen machen können, entspricht dem, wie [sich] .. der Landschaftspark in die umgebenden Felder ausgedehnt hat" (SPERLICH,M. im Interview mit RÖHRIG,P. 2000). Besonders deutlich wird die Anlehnung an Gestaltungselemente der Landschaftsparks in der Verwendung von Feldgehölze, kleinen Baumgruppen und Einzelbäume, die man sonst bei der Gestaltung durch Landwirte kaum antrifft. Sie erschweren die Bearbeitung der Felder, weil sie ja quasi mitten im Weg stehen, haben aber eine ungemein belebende und bereichernde Wirkung für das Erscheinungsbild. Ein weiterer, in diesem Zusammenhang besonders hervorzuhebender Aspekt der Gestaltung von Gut Schmerwitz ist die bewusste Beachtung von Blickbeziehungen und Sichtachsen. Auch der sensible Umgang mit dem Relief und die Herausarbeitung und Abgrenzung verschiedener Räume sind hier zu nennen.

Die Anlehnung an historischen Gestaltungsvorbildern von Parks kann ein interessanter Ansatz für die Gestaltung moderner Produktionslandschaften sein. Im Park wird versucht das Ideal-Bild einer Landschaft zu verwirklichen. Das, was als Ideal angesehen wurde, hat sich im Laufe der Zeit und der Epochen verändert. Die Ideal - Landschaft die im Landschaftspark "nachgebaut" wurde, basiert z.B. auf der Wertschätzung einer Hutelandschaft. Und nun könnten diese Elemente, z.B. freistehende Einzelbäume und Baumgruppen durch eine Anlehnung an dem Vorbild Landschaftspark wieder in die Agrarlandschaft wandern auch wenn es sich diesmal um Ackerland handelt.

Bei Hof Marienhöhe spielten Aspekte der optischen Landschaftsgestaltung und entsprechende Gestaltungsregeln und -prinzipien eigentlich keine Rolle.

Bei Gut Peetzig orientierte sich die Gestaltung überwiegend an, durch naturwissenschaftliche Analysen herausgearbeitete Standorte für Maßnahmen des Erosionsschutzes und Biotopverbundes sowie der möglichst problemlosen maschinellen Bearbeitung der Flächen.

Zeitlicher Ablauf

Auf Hof Luna und Hof Marienhöhe wurden die Gestaltungsmaßnahmen über mehrere Jahre durchgeführt. Dieses Vorgehen ermöglicht es, aus Fehlern zu lernen und die Veränderungen, die sich durch die Maßnahmen in der Landschaft ergeben zu beobachten und die weiteren Maßnahmen darauf abzustimmen. Eine Gestaltungsidee kann langsam im Umgang mit der Landschaft reifen und ohne zeitlichen Druck dann umgesetzt werden, wenn es von der Betriebsorganisation her passt.

Auch Herr Sperlich, der die Gestaltung von Gut Schmerwitz durchgeführt hat, erwähnte, dass er sich ohne die Fördermittel, die in einem bestimmten Zeitraum zur Verfügung standen, mehr Zeit für die Gestaltung gelassen hätte (vgl. RÖHRIG,P. 2000).

Auf Gut Peetzig waren die Bewirtschafter von sich aus eigentlich noch nicht zur Landschaftsgestaltung bereit als sie das Angebot erhielten, an dem Projekt teilzunehmen, weil sie den Hof gerade erst übernommen hatten. Sie hätten sich selbst vielleicht erst in zehn bis fünfzehn Jahren mit dem Thema beschäftigt, da es ihnen durchaus ein Anliegen ist, lediglich der Zeitpunkt kam für sie eigentlich etwas zu früh (vgl. RÖHRIG,P. 2000). Dies führte dazu, das sie die Planung und Gestaltung nicht als ihre ansehen. Das Projekt war auf 5 Jahre begrenzt und nun nach dieser Zeit fühlen sich die Bewirtschafter mit den durchgeführten Pflanzungen allein gelassen. Der örtliche Landschsftspflegeverband versucht jedoch so gut es geht, die anfallenden Pflegearbeiten zu unterstützen (POINKE, S. mdl. Mitt. 2001).

Ein Landschaftsgestaltungsprojekt für einen Landwirtschaftsbetrieb könnte als Rahmenkonzept gemeinsam mit den Landwirten entworfen werden. In dem, auf der Grundlage der Erfassung der landschaftlichen Eigenarten ein Gestaltungskonzept erarbeitet wird, das einen Maßnahmenkatalog enthält, evtl. mit einer Prioritäten - Liste für die Umsetzung der Maßnahmen . Die zeitliche Planung der Umsetzung könnte dann vom Hof individuell in die Betriebsplanung eingearbeitet werden. Änderungen des Rahmenplans, auf Grund von Erfahrungen aus den ersten Maßnahmen, wären jederzeit möglich.

Betriebe, die kein Rahmenkonzept entwerfen möchten, könnten Einzelmaßnahmen durchführen. Die Einbindung in ein Gesamtkonzept könnte darüber hinaus besonders gefördert werden.

Eine Aussage über die Gestaltung von Landschaft, die Herr Sperlich im Interview mit Peter Röhrig gemacht hat, hat mir besonders gut gefallen. Er sagte Landschaftsgestaltung sei eine "Mischung aus Mut und Demut". (Erläuternd fügte er hinzu: "Also, wenn man nicht eine ganz behutsame Ader hat, dann soll man es lassen, dann vergewaltigt man die Landschaft. Und wenn man nicht den Mut hat, dann soll man es auch lassen, weil dann wird es klein klein. Dann wird es ein Schrebergarten in groß.")

Übersicht Tabelle

A Mensch und Landschaft(sbild) C Landschaftsästhetik Teil einer nachhaltigen Landbewirtschaftung?