B.2 Landschaftsästhetisches Hofportrait
Gut Peetzig GbR
Seestraße 33
16278 Greiffenberg
(Brandenburg)
B.2.1. Gut Peetzig
"Die kleine Crete"

Übersichtskarte Betriebsspiegel Landschaftliche Eigenart Gebäude Flächen & Gestaltung Luftbildvergleich


Gut Peetzig

Gut Peetzig liegt in Brandenburg, im Biosphärenreservat Schorfheide - Chorin.

Auf Initiative der "Landbaugemeinschaft Berlin e.V." wurde die "Gut Peetzig GbR" gegründet, die hier seit Herbst 1994 einen biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetrieb aufbaut. Nachdem man zunächst nur einen einjährigen Pachtvertrag über die Wirtschaftsflächen abschließen konnte, wurden im Dezember 1996 langfristige Pachtverträge mit der BVVG (Tochter der Treuhand) abgeschlossen (vgl.BMBF, DBU 1998).

Die Gutsgebäude wurde zunächst von dem Verein Landbaugemeinschaft Berlin e.V. erworben und an die Gut Peetzig GbR verpachtet. Mittlerweile hat die GbR die Hofstelle vom Verein gekauft.

Betriebsspiegel Gut Peetzig

Höhenlage:
Ø Jahresniederschläge:
50 m über NN
500 mm
Böden: Sand Braunerden, Tieflehm Fahlerden
Bodenwertzahlen: Ø 25
Arbeitskräfte: ca.3
Flächen: Gesamtfläche
495 ha
Dauergrünland
Ackerland
Hecken und Steuobst
81 ha
402 ha
10 ha
Angebaute Kulturen: Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen
Luzernekleegras, Erbsen, Lupinen
Viehhaltung: Gelbvieh und Nachzucht
60 Stück

Betriebsspiegel Stand 2001, gekürzt nach Röhrig


Landschaftliche Eigenart

"Die Schorfheide, das größte geschlossene Waldgebiet Brandenburgs, liegt rund 50 km nordöstlich von Berlin und ist mit dem Auto in gut einer Stunde zu erreichen. Seit jeher ist deshalb die Schorfheide mit ihren Wäldern und Seen ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner " (EBERT,W.et. al. 2001, S.5).

Zahlreiche Kiefernforste zeugen auch heute noch von dem intensiven Kiefernanbau, der im 18.Jh. begann, nachdem sich Ende des 17. Jh. die überwiegende Mehrheit der noch vorhandenen Waldflächen, vor allem durch Streunutzung und Viehweide, in einem völlig devastierten, buschartigen Zustand befand (vgl.EBERT,W.et. al. 2001, S.45). Gegenwärtig wird eine schwache Zunahme des Laubholzanteils verzeichnet (vgl.EBERT,W. et al. 2001, S.42). Den gemäßigten Klimabedingungen in der Schorfheide entsprechend, würden sommergrüne Laubwälder die absolut vorherrschenden Vegetationsformen sein (vgl. EBERT,W. et al. 2001, S.44).

"Der Reichtum an Seen und das insgesamt noch "frisch" wirkende Relief mit relativ steilen Hängen und zahlreichen geschlossenen kleinen Hohlformen weisen vielerorts deutlich auf die Lage der Schorfheide im Jungmoränenland hin, d.h. sie befindet sich im Ausdehnungsbereich der jüngsten Inlandvergletscherung, die während der Weichselkaltzeit das Gebiet beherrschte"(EBERT,W. et al. 2001, S.6). Genau wie im Hohen Fläming auf Gut Schmerwitz hinterließ das Eis auch hier z.T. große Findlinge.

Drei Seen prägen auch das Erscheinungsbild von Gut Peetzig mit. Es ist der Große Petzigsee mit dem Burgsee, an dessen Ufer die Flächen von Gut Peetzig angrenzen, der Kleine Petzigsee und der Fauler See, die mitten in den Flächen von Gut Peetzig liegen. Daneben gibt es mehrere sogenannte Sölle (Einzahl: Soll). Sie entstanden aus im Untergrund verschütteten Toteiskörpern. Nachdem diese vollständig geschmolzen waren, sammelte sich in den entstehenden, ringsum geschlossenen Hohlformen Wasser (vgl.SCHLAAK,N. 1999, S.25). Heute sind sie nur noch z.T. mit Wasser gefüllt und zeigen verschiedene Verlandungsstadien.

Die Landschaft um Gut Peetzig gehört zur naturräumlichen Teileinheit `Uckermärkisches Kuppen und Hügelland`. Unzählige kleine Hügel und Täler reihen sich aneinander, wechseln sich aber auch mit ebenflächigeren Bereichen ab. Feuchte und trockene Bereiche treffen kleinflächig aufeinander. Die Landschaft ist durch die naturräumlichen Gegebenheiten, aber auch durch das Wechselspiel mit der landwirtschaftlichen Nutzung ungemein vielfältig und attraktiv. Durch die landwirtschaftliche Nutzung ist z.B. das Relief deutlich ablesbar und die Sölle fallen auf. Meist sind die Hügel sanft und wirken fast wie in einer Momentaufnahme festgehaltene Wellen. Es gibt jedoch, vor allem im nördlichen Bereich der Hofflächen, auch Stellen mit steileren Geländekanten, diese sind meist mit Kiefern bestanden und verleihen der Landschaft in diesem Bereich einen eigenen Charakter.

Entlang der Wirtschaftswege gibt es ältere Baumbestände, die auch einige bereits abgestorbene Bäume enthalten. Sie gliedern die Landschaft und zeigen die Lage der Wege an. Die Wege werden von verschiedenen Baumarten gesäumt. Einmal sind es Kopfweiden und Birken, an einem anderen Weg Linden.

Die Elemente der Landschaft tauchen meist mehrmals auf, die Seen, die Sölle, die zahlreichen Kuppen und Täler, dieses rhythmisch wiederkehrende, bestimmt das Grundmuster der Landschaft.

Gut Peetzig liegt im Biospährenreservat Schorfheide - Chorin in der Schutzzone III. Das heißt, es wird eine umweltverträgliche Landnutzung angestrebt, es steht dafür aber kein ordnungsrechtliches Instrumentarium zur Verfügung wie in Schutzzone II (vgl. BMFB, DBU 1998).

Wegen des interessanten und markanten Reliefs, das einerseits durch die großflächige landwirtschaftliche Nutzung gut zur Geltung kommt, aber andererseits auch durch die massiven Erosionsprobleme habe ich diesen Hof unter das Motto "Die kleine Crete" gestellt. Die Schwierigkeit der Landschaftsgestaltung besteht hier darin, die rhythmische Eigenart, Offenheit und dadurch vielfältigen Blickbeziehungen der Landschaft zu bewahren und andererseits die Bodenerosion einzudämmen. (In vielen anderen Bereichen hinkt der Vergleich natürlich, die Crete ist fruchtbarer und Gut Peetzig ist kleingliedriger und abwechselungsreicher).

weitere Bilder: Landschaftliche Eigenart


Bedeutung für Besucher und Erschließung durch Wege

Durch die Lage im Biosphärenreservat Chorfheide - Chorin mit seiner touristischen Anziehungskraft und der relativen Nähe zu Berlin, gewinnt auch die ästhetische Qualität der Landschaft auf dem Gut eine besondere Bedeutung. Durch die Flächen von Gut Peetzig verlaufen auch ausgewiesene Wanderwege. Die Wirtschaftswege von Gut Peetzig bilden gemeinsam mit übergeordneten Wegen ein attraktives, abwechselungsreiches Wegesystem. Eine besondere Anziehungskraft üben immer Gewässer in der Landschaft auf den Menschen aus. Der Rundweg um den Großen Peetzigsee bietet die Möglichkeit dieses Element zu erleben. Einen weiteren Hinweis auf Aktivitäten am See bildet eine kleine, wilde Feuerstelle am Ufer. Der Kleine Peetzigsee hingegen ist schwerer erreichbar, er ist ringsherum dicht bewachsen, ein Weg führt durch ein Kiefernwäldchen bis zu einer Hütte des Fischereivereins. Den kleinen Fauler See kann man auf Wirtschaftswegen ebenfalls umwandern. Er liegt, nur von einigen Weidengebüschen umstanden, offen in der Landschaft.



Gebäude

Die Gebäude von Gut Peetzig liegen links und rechts der Straße, in der Nähe des Ortsrandes des Straßendorfs Peetzig. Südlich der Straße, in einer leichten Senke im Gelände, stehen die älteren Gebäude, die einen Innenhof von drei Seiten locker umschließen. Von der Straße aus fährt man runter auf den etwas tieferliegenden Hof. In der Mitte des Innenhofs, der mit Pflaster aus Findlingen befestigt ist, wurde eine kleine Linde als Hofbaum gepflanzt. Nördlich der Straße befinden sich die Wirtschaftsgebäude aus der LPG Zeit.

Das Wohngebäude wurde aus rotem Ziegel gemauert, ebenso die Gerätehalle östlich davon. Der Verein Landbaugemeinschaft Berlin e.V. hat neue Fenster in das Wohngebäude einbauen lassen. Das Gebäude westlich, in dem sich der Kuhstall befindet, besteht aus einer Kombination aus Ziegel, Fachwerk und z.T. auch Feldsteinen. Auf der Seite des Innenhofs ist es weiß getüncht. Auch hier haben Mitglieder des Vereins Hand angelegt und die Fassade neu gestrichen. Die Dächer der Gebäude sind mit Dachpappe oder Wellblech gedeckt.

Die ehemaligen LPG Wirtschaftsgebäude auf der anderen Straßenseite wurden z.T. auch aus Ziegel gebaut, dieser ist jedoch meist verputzt. Das Gelände ist ringsherum fast komplett von einem Maschendrahtzaun eingefasst. Einige alte Ställe aus der DDR Zeit wurden von den Bewirtschaftern abgerissen, an den anderen Gebäuden wurden dringende Renovierungsarbeiten durchgeführt, z.B. die Dächer teilweise neu eingedeckt.

Jeder erste Samstag im Monat ist der Hofgestaltung gewidmet. An diesem Tag kommen Vereinsmitglieder nach Gut Peetzig und helfen die Hofanlage in Schuss zu bringen. Bei solchen Aktionen wurde z.B. das Pflaster des Innenhofs von einer 15 cm dicken Schicht aus Sand befreit. Diese Ablagerungen zeigen auch, welche Materialbewegungen hier durch Erosion stattgefunden haben. Ein anderes mal wurde ein Beet mit einer Einfassung aus Feldsteinen angelegt oder eben die Fassade des Kuhstalls gestrichen (POINKE,S. mdl. Mitt. 2001).

weitere Bilder: Gebäude

Einbindung in die Landschaft

Die älteren Gebäude sind durch ihre Lage, ihren Baustil und umgeben von Bäumen und Sträuchern gut in die Landschaft eingebunden. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Holundersträucher, die sich spontan etabliert haben und ungestört wachsen dürfen, sie sind seit je her Begleiter bäuerlicher Siedlungen. Auf der Westseite liegt der neu angelegte Gemüsegarten neben einem noch ungenutzten verwilderten Stück Land. Um die Einbindung der LPG - Gebäude in die Landschaft zu verbessern, wurden auf der Seite zu den Feldern Bäume entlang der Umzäunung gepflanzt.

Auf der Straßenseite wirkt der Maschendrahtzaun mit Betonpfeilern und dem Stacheldraht, der oben entlang läuft abweisend und steht im Kontrast zu den gepflegten Vorgärten gegenüber auf der anderen Straßenseite. Ein alltägliches Stück DDR - Vergangenheit ist hier als Ortsbild prägendes Element noch vorhanden.


Flächen und Gestaltung (siehe auch Luftbildvergleich)

Die Flächen von Gut Peetzig liegen zusammenhängend, im Süden umschlossen von Wald oder angrenzend an den großen Peetzig, und im Norden in Nachbarschaft zu anderen landwirtschaftlichen Flächen in einer abwechselungsreichen Landschaft. Als die Bewirtschafter Susanne Poinke und ihr Partner 1994 den Betrieb, der schon vor der Wende stillgelegt wurde, übernahmen, standen sie vor 500 ha vollkommen verunkrauteten Flächen. Vorher hatte es zwar verschiedene Pächter gegeben, z.B. einen Schäfer, aber flächiger Ackerbau hatte schon länger nicht mehr stattgefunden. Allein die Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung hat das Erscheinungsbild der Landschaft drastisch verändert. Frau Poinke berichtete in diesem Zusammenhang über die Reaktionen einiger Leute aus dem Ort, die sich über die Wiederaufnahme der Landwirtschaft und den neuen Kulturzustand sehr gefreut haben (POINKE,S. mdl. Mitt. 2001).

Die weiteren Gestaltungsmaßnahmen wurden als Teilprojekt des vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) initiierten Verbundprojektes "Naturschutzmanagement in der offenen agrar genutzten Kulturlandschaft am Beispiel des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin" in Absprache mit Vertretern des Landwirtschaftsbetriebes, geplant (vgl.BMBF, DBU 1998).

Bei der Umsetzung wurden z.T. Waldorfschulklassen mit einbezogen (vgl. RÖHRIG,P. 2000).

In dem Projekt ging es um den Aufbau eines beispielhaften Biotopverbundes bei gleichzeitiger Minimierung von Erosion und Einträgen in das Grund- bzw. Oberflächenwasser und die Strukturierung der Agrarlandschaft. Als Ausgangsbasis für die Neustrukturierung der Agrarlandschaft dienten u.a. Untersuchungen zur Geoökologie (Wind- und Wassererosion), Geobotanik, Zoologie sowie eine Analyse und Bewertung von Nährstoffvorräten und Nachlieferungsvermögen der landwirtschaftlichen Flächen (vgl. BMBF, DBU 1998).

(1)Schläge und Hecken

Einige bisher ackerbaulich genutzte Flächen wurden in hofnahe Weideflächen umgewandelt. Die vorher bis zu 70 ha großen Schläge wurden in Schläge mit 16 - 26 ha geteilt. Die Ausrichtung der Schläge erfolgte quer zur Hauptwindrichtung, so das an Schlaggrenzen aber auch bearbeitungsparallel innerhalb der Schläge, Windschutzhecken und andere Strukturelemente etabliert werden konnten. Das Ziel, die Bodenheterogenität innerhalb der Schläge zu verringern, konnte aufgrund der sehr kleinflächig wechselnden Bodenverhältnisse nur in begrenztem Maß erreicht werden.

4,1 km Hecken wurden gepflanzt. Sie sollen der Landschaft eine neue Gliederung verleihen, den Erosionsschutz unterstützen und nicht zuletzt Trittsteine und neue Lebensräume entwickeln. Um die Pflanzungen vor Wildverbiss zu schützen, wurden sie gezäunt. In Abstimmung mit den Jägern des Gebietes wurden Durchlässe für das Wild geplant und freigehalten (vgl.BMBF, DBU 1998).

Übersicht Schlagneugliederung

Landschaftsästhetische Beschreibung und Stellungnahme

Die neuen Schläge wurden mit möglichst geraden, parallelen Seitenkanten und einheitlichen Flächengrößen eingerichtet, um die maschinelle Bearbeitung zu erleichtern und die Fruchtfolgenplanung zu vereinfachen. In der bewegten und durch das Relief kleinflächig strukturierten Landschaft wirkt diese Einteilung in manchen Bereichen etwas zu schematisch.

Die Gestaltung mit den Hecken beschränkt sich auf einen Bereich des Gutes und zieht sich als Gestaltungselement nicht durch die gesamten Hofflächen. Die Lage der Hecken wurde aufgrund der Ermittlung der erosionsgefährdetsten Bereiche bestimmt. Diese Bereiche fallen gerade in einen vom Relief her sehr bewegten Teil des Hofes mit einer kleinflächigen Verteilung von Kuppen, Geländerücken und den dazugehörigen Senken. Die Hecken die hier entlang der neuen Schlaggrenzen angelegt wurden, folgen diesen in geraden Linien über Berg und Tal. So kann es sein, dass als zusammengehörig empfundene Reliefelemente wie z.B. ein Geländerücken getrennt werden. Dadurch verschmilzt die Gestaltung in diesem Bereich nicht mit der Landschaft sondern wirkt etwas aufgesetzt und fremd.

weitere Bilder: Hecken

(1.1) An einer Stelle wurde dieses technologische Gestaltungsprinzip bewusst verlassen und eine Hecke im Bogen, gepflanzt. Hier nahm man, die damit verbundene aufwendigere Bewirtschaftung in Kauf, obwohl die Abweichung von der geraden Gestaltung an dieser Stelle vom Gelände her nicht zwingender begründet ist, als an anderer Stelle. Hier wurden zwei Hecken sichelförmig um einen Innenbereich angelegt. Diese Anlage befindet sich auf dem flachen Ausläufer einer Kuppe. Dieser verhältnismäßig ebene Bereich, der hier von der Heckenanlage eingenommen wird, wäre deutlich einfacher zu bewirtschaften, als manch andere Stelle auf dem Hof.

Die Kuppe ist der höchste Bereich von Gut Peetzig und dadurch auch Angriffsfläche für Winderosion. Sie wird auf zwei Seiten von Hecken umschlossen. Die Hecke auf der einen Seite schützt die Kuppe nicht in der gesamten Höhe und die Hecke auf der anderen Seite steht im Windschatten der Kuppe.

Vielleicht hätte man mit Hilfe einer noch detaillierteren Betrachtung der Winderosionsgefährdung einen Kompromiss finden können, der dem Erosionsschutz dient, die rationelle Bearbeitbarkeit der Flächen gewährleistet und dennoch die landschaftliche Eigenart stärker berücksichtigt, z.B. durch mehrere, kleinere Gehölzpflanzungen.

(1.2) Eine der neuen Hecken folgt einer älteren Schlaggrenze, auf der schon ein Lesesteinwall entlang lief. Hier wurde dieses durch frühere Nutzung entstandene Element aufgegriffen, dennoch hätte man sich überlegen können, wie sehr man diese Linie in der Landschaft betonen möchte, denn auch sie nimmt wenig Rücksicht auf den Verlauf des Geländes

Die Hecken, die die Erosion verringern sollen, verlaufen meist quer zu länglichen Senken im Gelände. Die Durchfahrten und Wilddurchlässe, die in den Hecken ausgespart wurden, wurden z.T. am Rand solcher Rinnen angelegt, so können Wind und Wasser hier z.T. ihr Werk fortsetzen.

Die Einfügung des Gestaltungselementes Hecke in die Landschaft empfinde ich dort als stimmiger, wo die Hecken entlang der Wirtschaftswege angelegt wurden, sie folgen dem Verlauf der Wege und markieren diesen in der Landschaft, ihre Lage ist durch die Wege begründet und wirkt dadurch nicht willkürlich. Sie verlaufen auf einer Seite entlang der Wege und man hat auf der anderen Seite einen freien Blick in die Landschaft. Durch die Feldzufahrten kann man auch mal in die andere Richtung blicken. Zwischen Hecke und Weg befinden sich überall breite Krautsäume.

(1.3)Die Hecke entlang der Hofgrenze verläuft an einer Stelle, an der die Flächen von Gut Peetzig nicht durch den Wald begrenzt werden. Sie markiert die Grenze und gliedert die offene Landschaft in den bewegteren Teil von Gut Peetzig und den zunächst etwas ebeneren angrenzenden Bereich. Im weiteren Verlauf nach Osten folgt die Hecke einem Wirtschaftsweg den nächsten Hügel hinauf.

(1.4)Die beiden Hecken im Bereich des Kiefernwäldchens fügen sich ebenfalls harmonisch in die Gestalt der Landschaft. Die Hecke süd-westlich des Wäldchens folgt dem Verlauf eines Geländerückens, die, nord - östlich davon, dem Verlauf einer Senke im Gelände.

In den Bereichen, in denen die Schlagneugliederung nicht aus Erosionsschutzgründen mit Heckenpflanzungen kombiniert wurde, grenzen die Schläge ohne weitere gliedernde Elemente aneinander. In diesen Bereichen wirken die Flächen etwas kahl. Gemildert wird dieser Eindruck durch die bewegte Landschaft, die den Blick begrenzt und auch ohne weitere Elemente einen besonderen Reiz besitzt. Dennoch wären hier eine Gestaltung, die die Flächen zusätzlich strukturiert ohne den Rhythmus der Landschaft zu stören, angenehm, z.B. durch Säume und vielleicht einzelne Gehölze.

(2) Das Feldgehölz

Ein großes Flurgehölz wurde auf einer stark winderosionsgefährdeten sandigen Kuppenlage angelegt. Es soll einerseits den Bodenabtrag verhindern und andererseits einen Beitrag zum Biotopverbund leisten. Das Flurgehölz besteht aus drei ringförmig angeordneten Zonen, die zusammen mit dem Krautsaum eine Fläche von 1,6 ha umfassen.

1. Kernzone: Überhälter und Bäume 2.Ordnung,
2. Strauchzone: hohe Sträucher, 10 Reihen,
3. Mantelzone: niedrige und mittelhohe Sträucher, 5 Reihen

(vgl.BMBF, DBU 1998)

Landschaftsästhetische Beschreibung und Stellungnahme

Das Feldgehölz zieht sich über den Süd-Ost Hang und den Kuppenbereich des Hügels. Die drei verschiedenen Wuchshöhen der Zonen sind in diesem Stadium noch kaum zu erkennen. Deshalb hat man im Moment noch den Eindruck, dass es ein etwas einförmiger Gehölzbestand ist, der sich über den Hang erstreckt, diesen Eindruck verstärkt die recht gleichmäßige Verteilung der Gehölze auf der gesamten Fläche. Auflockernd wirkt die geschwungene Grenze.

Das Element des Feldgehölzes wird durch die neue Planung nur dieses eine mal aufgegriffen. Die beiden großen Feldgehölze, die es im nord-östlichen Bereich gibt, sind Kiefernbestände und keine in erste Linie strauchförmigen Gebüsche aus Laubgehölzen, diese tauchen eher kleinflächiger auf. Hätte man dieses Element vielleicht mehrmals zur Böschungssicherung eingesetzt, so hätte es zu einem für die Hoflandschaft prägenden Element werden können, dessen Auftauchen einer bestimmten Gesetzmäßigkeit folgt, so aber steht diese Gestaltungsidee an diese Stelle etwas isoliert.

(3) Obstgehölze

Obstbaumhochstämme wurden in zwei Streuobstwiesen und als Wegbegleitpflanzung angelegt.

(3.1) Die kleinere der beiden Obstwiesen ist eine Kirschwiese. Hier wurden auf 0,5 ha 40 Kirschhochstämme ergänzend zu älteren, bereits vorhandenen Süßkirschen gepflanzt.

(3.2) Die etwas größere Wiese mit 0,85 ha wurde auf einem Hang am Ufer des Großen Peetzigsees angelegt. Hier wurden Sauerkirschen, Pflaumen, Äpfel und Birnen, insgesamt 70 Obsthochstämme gepflanzt. An dieser Stelle gab es keine Altbestände.

(3.3) Entlang eines Wirtschaftsweges wurden 85 Obsthochstämme gepflanzt. Hier verwendete man Wallnuss, Zwetschgen, Äpfel und Birnen.

Die Streuobstbestände sollen folgende Ziele erfüllen:
1. Erhaltung des Lebensraums Obstbaum durch Pflege des Altbestandes und verjüngende Neupflanzung
2. Erhaltung eines für die Kulturlandschaft typischen Strukturelementes
3. Obstbau als Bestandteil des Betriebskonzeptes Gut Peetzig

(vgl. BMBF, DBU 1998)

Landschaftsästhetische Beschreibung und Stellungnahme

(3.1) Die alten Kirschbäume mit ihren weit ausladenden Kronen, die noch vereinzelt auf der Fläche und entlang des Weges stehen, sind in diesem Bereich ein markantes, prägendes Element. Die Wiese liegt direkt am Weg, der auch als Wanderweg ausgewiesen ist. Die lockere Ergänzungspflanzung ist gut auf die vorhandenen Elemente abgestimmt und wird deren Charakter in Zukunft erhalten. Es wurden entsprechend der Altbestände nur Kirschen gepflanzt.

Bild: Kirschwiese

(3.2) Die zweite Obstbaumwiese fällt hingegen kaum auf, da kein Weg daran vorbei führt und sie ist vom vorhandenen Weg aus nicht direkt einsehbar ist. Sie liegt etwas versteckt von einer Kuppe auf einem Hang hinter Wiesen und Feldern am Rande des Großen Peetzigsees. Das Ufer des Sees ist in diesem Bereich dicht mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, die eine Raumgrenze darstellen und die Kulisse für die neue Pflanzung bilden. Das helle Grün der jungen Pflanzen bildet dabei einen attraktiven Kontrast zum dunklen Hintergrund und die schon rot gefärbten Äpfel setzen Ende August farbige Akzente dazu.

Bilder: Obstwiese

(3.3) Die Obstbaumreihe knüpft ebenfalls an die Bestände der älteren Kirschbäume an. Wie weiter oben schon beschrieben sind einige der Wirtschaftswege von Gut Peetzig von Bäumen gesäumt. Dies ist ein für den Hof typisches Element, das hier aufgegriffen wird. Im vorderen Bereich verläuft die neue Baumreihe einseitig des Wegs, weiter Richtung Kleiner Peetzigsee wird es eine beidseitige Allee. Die einseitige wegbegleitende Obstbaumreihe, die am Ortsausgang beginnt, ist ein schönes, das Landschaftsbild bereicherndes Element, die Pflanzabstände hätten vielleicht etwas größer gewählt werden können, damit der bewegte Rhythmus der Landschaft durchgängig erlebbar bleibt. Die Allee weiter hinten, betont den Weg deutlicher in der Landschaft. Wenn die Bäume größer sind, könnte der Verlauf des Wegs gegenüber dem Rhythmus der Landschaft dominieren. Auch hier hätte man überlegen können, ob man die Bepflanzung nicht etwas lockerer gestaltet

Bilder: Obstbaumreihe, -allee

Ein Ziel der Obstbaumpflanzungen im Rahmen des Projektes war es, sie zu einem Bestandteil des Betriebskonzeptes von Gut Peetzig zu machen. Allerdings übersteigen die notwendigen Pflegearbeiten an den jungen Obstbäumen, z.T. die Arbeitskräftekapazität des Betriebs. Hier hilft zwar z.T. der Landschaftspflegeverband aus, aber die Bewirtschafter fühlen sich hier, ebenso wie bei der Heckenpflege, von dem auf 5 Jahre begrenzten Projekt etwas im Stich gelassen (POINKE,S. mdl. Mitt. 2001).

(4)Ergänzungspflanzungen Alleen

Durch Ergänzungspflanzungen an Wegen wurde eine (4.1) Birkenallee und eine (4.2) Lindenallee verjüngt.

Ergänzungspflanzungen Birkenallee 20 Bäume, Lindenallee 50 Bäume (vgl.BMBF, DBU 1998).

Landschaftsästhetische Beschreibung und Stellungnahme

Die alten Bäume stehen mit großen, unregelmäßigen Abständen entlang der Wege. Wohl auch daher, weil im Laufe der Zeit immer wieder Bäume ausgefallen sind, in den Reihen gibt es einige abgestorbene Bäume und Baumstümpfe. Die Gehölze bilden eine lockere, ungezwungene Wegbegleitung, die den Weg markiert und dennoch den Blick in die Landschaft ermöglicht. Dort wo die Abstände zwischen den Pflanzen allerdings zu groß werden, ist der Verlauf des Weges in der Landschaft nicht mehr ablesbar. Die Ergänzungspflanzungen leisten also einen wichtigen Beitrag, um dieses prägende Element zu erhalten.

Im Bereich der Birkenallee (4.1) sind diese Ergänzungspflanzungen gut gelungen. Die jungen Bäume wurden in den Lücken der bestehenden wegbegleitenden Gehölzstrukturen plaziert, greifen den Charakter des Elements auf und führen ihn fort.

Bilder: Birken - Allee

Dort wo allerdings die Lindenallee (4.2) angelegt wurde, empfinde ich die Neupflanzung als etwas zu massiv. Vorhanden waren hier einige alte, große Linden im Bereich einer Wegegabelung und eine Baumgruppe mit Linden ca. 200 m entfernt, südlich des Wegs, dazwischen wurde ein neues Stückchen Allee mitten in die Landschaft gesetzt. Hinter der Baumgruppe führt der Weg weiter, nicht aber die Gestaltung mit Gehölzen.

Bilder: Linden - Allee

An einem anderen Weg, dessen wegbebleitende Baumreihen auch schon recht lückig und alt sind, wurden keine Nachpflanzungsmaßnahmen durchgeführt.

(5)Säume

Entlang der Wege und Hecken gibt es auf Gut Peetzig fast überall breite Säume. Zum Teil ergeben sie sich aus technischen Notwendigkeiten, die landwirtschaftlichen Maschinen benötigten 6 m Fahrbreite und die Zäune der neuen Hecken sind so hoch (1,60) das sie mit den Geräten kollidieren würden, deshalb musste mit den Zaunanlagen ein entsprechend großer Abstand zu den Wegen eingehalten werden (POINKE,S. mdl. Mitt. 2001). Innerhalb der Zäune wurde zusätzlich noch ein Saum eingeplant, bevor wirklich die erste Reihe der Heckenpflanzen beginnt. Die weiten Abstände wurden ebenfalls bei der Anlage der Baumreihen entlang der Wege berücksichtigt. Aber auch dort, wo es keine technische Notwendigkeit gibt, werden z.T. Säume entlang der Wege stehen gelassen. Häufig liegen die Wege auf Gut Peetzig tiefer als die umliegenden Flächen, die Böschungen dieser kleinen Hohlwege sind ebenfalls mit Saumvegetation bestanden.

Landschaftsästhetische Beschreibung und Stellungnahme

Die großzügigen Säume entlang der Wege sind charakteristisch für Gut Peetzig. Dieses Element bindet die Wege ein, vermittelt zwischen Wegen und Hecken, bereichern das Landschaftsbild durch Farben und Formen und zieht durch blühende Wildblumen Insekten an.

Bilder: Säume


(6)Sölle

Auf den Flächen von Gut Peetzig gibt es mehrere Toteislöcher, die sogenanten Sölle. Sie befinden sich in verschiedenen Verlandungsstadien. Vergleicht man die Luftbilder von 1987 mit der heutigen Situation, so stellt man fest, dass die Wasserfläche der Sölle abgenommen hat und einige ganz verschwunden sind.

Der Erhalt und Schutz der Sölle, z.B. durch Pufferstreifen wie es auf Gut Peetzig z.T. geschieht, ist auch aus landschaftsästhetischer Sicht ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz, weil es sich um landschaftsgeschichtliche Elemente handelt, die mit ihren verschiedenen Ausprägungen zu dem besonderen Erscheinungsbild und somit zur Eigenart der Landschaft gehören.

Bilder: Sölle

Nutztiere in der Landschaft

Auf Gut Peetzig wird vor allem Gelbvieh zur Fleischerzeugung gehalten, in der Herde sind jedoch auch ein paar Braun-bunte. Die Herde, in der unglaublich viele variierenden Fellfärbungen von hell beige bis dunkel braun auftauchen, beweidet mit ihrem Nachwuchs die sanften Hügel und belebt so die Landschaft, daneben gibt es auf Gut Peetzig auch Pferde.

Auf den Flächen von Gut Peetzig gibt es so gut wie keine massiven Zäune. Die Flächen auf denen sich die Tiere aufhalten sind mit Absperrungen aus zwei dünnen stromführenden Drähten umgeben. Diese mobilen Zäune sind in der Landschaft fast unsichtbar und bewahren ihr eine unzerschnittene, zusammenhängende und offene Erscheinung. Ich finde die Landschaft wirkt dadurch einladend und ermutigt vielleicht auch einmal den Weg zu verlassen und über eine gerade ungenutzte Fläche zu wandern. Was bei unserer heutzutage recht determinierten Freiraumsituation durchaus eine Qualität bedeutet.
Gut Peetzig

Anfang Übersichtskarte Luftbildvergleich

B.1 Hof Luna B.2. Gut schmerwitz B.2.3 Hof Marienhöhe

B.3 Zusammenfassende Charakterisierung der Gestaltungen